Tag 28/29: Nexö/Bornholm – Swinemünde – Mönkebude

Was für ein Morgen… Der Motorfachmann ist überpünktlich und wir schöpfen Hoffnung, doch noch einigermaßen zeitig ablegen zu können. Leider gibt es keine gute Diagnose. Not good… Der Motor startet auch mit Notstartspray nicht, keine Luft im System… es scheint die Zylinderkopfdichtung oder die Ventildeckeldichtung zerschossen zu sein. Auf jeden Fall kurzfristig nicht reparabel.

Netterweise nimmt er nur 20 Euro und zockt und nicht ab. Wir geben ein sattes Trinkgeld. Bedröppelt gehe ich zum Lidl am Hafen und kaufe Brötchen ein. Ein gutes Frühstück, ein Plan B…

Wir haben ja keine Wahl. Also legen wir um 10 Uhr unter Segeln im Hafen Nexö ab und nehmen Kurs auf Swinemünde. Leider ist nach 15 Seemeilen, die wir wirklich gut vorankommen, der Wind komplett weg. Wir stehen 4 Stunden in totaler Flaute. Das ist Mega nervig, das Boot dreht sich im Kreis. Die Segel flappen, weil natürlich alte Welle das Boot schaukelt. Es ist einfach zum Ko**en. Aber wir halten durch. Um 18 Uhr kommt wieder ganz leichter Wind und wir freuen uns diebisch über 2 Knoten Fahrt. Immerhin ist das Boot wieder steuerbar. Der Plan ist bisher, dass wir morgen Vormittag in Swinemünde einlaufen und uns jemanden suchen, der uns durch die Kaiserfahrt schleppt… We will see.

Update 18.30 Uhr: Wir laufen mit 5 Knoten gen Swinemünde. Eine Segelyacht kommt unter Motor auf, aber wir entscheiden uns gegen Schlepphilfe und hoffen, dass der Wind bleibt.

So… Nachdem es nachts mit 4Bft. ordentlich durchwehte, lief Chillax durchgehend mit 6 bis Knoten Fahrt durch die Nacht. Ich übernahm die undankbare erste Wache von 22 Uhr bis 01.00 Uhr, danach dann Klaus. Ich blieb standby im Cockpit und döste etwas. Noch im Dunkeln erreichten wir dann Swinemünde und die ganzen Lichter an Land sowie den Schiffen waren sehr verwirrend. Langsam ließ der Wind etwas nach und prompt mitten in der Hafen einfährt blieb der Wind weg. Über UKW Kanal 12 funkte ich Swinemünde Traffic Control an und die baten uns eindringlich, nicht bei Dunkelheit im Hafen zu segeln. Also ankerten wir direkt neben der Fahrrinne und dachten nach… Ohne Motor, echt ein Problem. Dann tauchte achten das Segelboot auf, mit welchem wir nachts ein Race hatten. Eine polnische Hanse 325. Ich funkte das Boot an, keine Reaktion. Wir gaben Lichtsignale… Keine Reaktion. Doch dann, langsam drehte das Boot auf uns zu. Die Dämmerung setzte grad ein und er nahm uns tatsächlich an den Haken und schleppte uns in die Marina Swinemünde. Das erste Ziel war erreicht. Um kurz vor 7 Uhr waren wir fest im Yachthafen. 21 Stunden segeln liegen hinter uns. Blöd, wenn man nicht mal mit der Maschine zuschieben kann.

Als ich grad auf dem Weg zum Hafenmeister war, lief eine Segelyacht aus. Ich winkte und rief, sie reagierten sogar. Eine deutsche Berliner Dehler 28. Ich fragte ob sie uns vielleicht durch die Kaiserfahrt schleppen würden. Etwas wurde gehadert, der Motor sei zu klein, sie hätten es eilig… aber sie sagten ja. Wir könnten also direkt weiter. Also die müden Augen auf, Leine übergeben und weiter ging es. 2 bis 3 Knoten schaffte unser Abschlepper, aber es klappte. An der Mole zum Haff warf er uns Dan los und wir setzten schnell die Segel. Problem 2 war gelöst… Dann segelten wir wunderbar bei leichtem Wind durchs Haff nach Mönkebude. Der Wind wurde schwächer und kam in der engen Zufahrt genau von vorne. Keine Chance, da rein zu segeln. Wir überlegten zu ankern und zu warten. In dem Moment kam ein Hafennachbar aus Mönkebude aus dem Hafen gesegelt. Wir hielten drauf zu und machten uns bemerkbar. Er hatte natürlich wenig Lust wieder die Segel zu Bergen und uns einzuschleppen, aber er tat es dann doch. Als Krönung des Ganzen war dann unser Liegeplatz illegal belegt, ob wohl ich Tage vorher angerufen hatte und der Hafenmeister das Schild auf BESETZT gestellt hatte. Also mussten wir ohne Motor erstmal in einen benachbarten Platz und uns dann später nochmal verholen.

Um 13.30 Uhr machten wir nach 26,5 Stunden Fahrt, 30 Stunden wach sein und 105 Seemeilen quasi nonstop nach der letzten Etappe das Boot fest.

Wenn ich richtig gerechnet habe, liegen insgesamt 955 Seemeilen auf der Urlaubslogge.

Ein kurzes Nickerchen um die Schmerzen in den Augen loszuwerden, ein Bad im Haff um den Körper zu kühlen (wir hatten bei Ankunft 34 Grad), Boot kurz klarieren und ab ins Auto nach Berlin.

Der Rest kann später gemacht werden.

Fazit: Mast im Sturm kaputt gegangen, Motor läuft nicht mehr. Aber das Boot rennt wie die Pest und hat unfassbare Spaß gemacht. Wir haben unglaublich viel gesehen und erlebt. Ich werde das noch zusammenfassen. Kreuz und quer über die Ostsee. Ein wahrer individueller Abendheuer-Activitiy Urlaub mit vielen spontanen Entscheidungen und Erlebnissen.

Der Monteur auf Bornholm

Unter Segeln in Nexö abgelegt

4 Stunden totale Flaute südlich Bornholm

Abendstimmung auf See

Rein in die Nacht

Segel unter klarem Sternenhimmel – gigantisch

Unsere polnische Schlepphilfe in den Hafen Swinemünde

Unsere Schlepphilfe durch die Kaiserfahrt

Und endlich eingeschleppt in Mönkebude

Tschüß, hat Spaß gemacht

2 Antworten auf „Tag 28/29: Nexö/Bornholm – Swinemünde – Mönkebude“

  1. Dass Ihr trotz der vielen negativen Ereignisse immer gute Laune behalten habt, ist schon erstaunlich.
    So etwas schweißt zusammen und dieses Erinnerungen kann Euch niemand mehr nehmen.
    Es war schön und spannend, dieses Abenteuer über diesen Blog verfolgen zu dürfen.
    Herzlichen Dank für die tollen Geschichten und die vielen Fotos!

    1. Danke Andreas. Wir haben bekommen, was wir wollten… Abendheuer, Individualität, Spannung, Unbekanntes entdecken… Naja, das Boot vergleiche ich mit einem Oldtimer. Das Teil ist 27 Jahre alt. Da ist immer mal was dran. Damit umzugehen, das ist doch die Aufgabe 😊

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